Das Deutsche verfügt, anders als beispielsweise romanische Sprachen, im Plural über kein Genus; alles ist ein "Pluralgenus".

Ist in der ganzen Diskussion um das so "böse" generische Maskulin schon jemandem aufgefallen, dass der Plural im Deutschen ein generisches Femininum nutzt? Haben sich jemals die Männer darüber beschwert, dass sie ihr Geschlecht im Plural nicht wiederfänden?

Dass niemand sich hierzu meldete, liegt nicht daran, dass sich die Männer sowieso schon in der vermeintlichen Bevorzugung der Sprache sonnten, sondern weil niemandem dieser Punkt bewusst war. Es ist selbstverständlich, wie eben auch das Nomen agentis im generischen Maskulinum für alle steht. Das ist keine Bevorzugung von Männern, sondern die einzig effektive Gleichbehandlung in einer Sprache, die nun einmal Genera besitzt.

Die generische Form in Misskredit zu bringen löst kein einziges reales Problem. Es ist nichts anderes als die einseitige Aufkündigung einer Verständigung, die bei der überwiegenden Menge der Deutschsprechenden keine Zweifel auslöst, dass alle gleichermaßen gemeint sind.

Im Französischen dreht ein einziger Mann ein "elles" zu einem "ils" um. Besondere Proteste diesbezüglich sind mir nicht bekannt.

"Gendersternchen" sind ein weiterer, hoffentlich vergänglicher Versuch, Sprache zu einem bestimmten politischen oder gesellschaftspolitischen Zweck umzuformen. Wörter lassen sich gerne neu schöpfen, das passiert immer wieder und bereichert die Sprache. Eingriffe in die Grammatik gehen an das Grundgerüst, und davon sollte man die Finger lassen. Mit fallen aus dem Stand vier Gründe ein, warum diese Sternchen (und der Doppelpunkt) eine Fehlentwicklung sind.

Kurios finde ich dabei auch, dass manchen Leuten das Indefinitpronomen "man" nicht passt, das Kunstwort "mensch" (sic) aber schon. Ein Blick in die Etymologie hilft: "Mensch" entstammt dem mitttelhochdeutschen Adjektiv "mennisc", was  "männisch" ausgesprochen wurde und auch genau das bedeutet, aber alle Geschlechter meint, vgl. heute englisch "man" (wobei "woman" von "wifman" - also Weibmann abstammt).

Viel Spaß auf der Suche nach einem anderen Wort.

 

Es steht nicht einigen Leuten zu, Sprache entwickeln zu müssen. Die Sprache gehört uns allen.

Es ist die Sprache, die sich weiterentwickelt.