Gerade gehört: "Kommt die Testpflicht für alle Urlaubenden?" am Ende der Tagesschau.

Das treibt mir allmählich nur noch ein heiseres Lachen aus dem Hals, aber ich weiß nicht, ob mehr Belustigung oder Verzweiflung dahinter steckt.

Als gäbe es nicht schon genügend Absurditäten mit dem Genderismus ... aber es geht, wie üblich, immer noch ein wenig schlimmer. Man fragt sich ernsthaft, ob es einigen eine gewisse Art morbiden Spaßes bereitet, die Sprache nachhaltig zu beschädigen. Sinnvoll ist das Ganze jedenfalls nicht.

Dass man Wörter aus dem Wortschatz drängen möchte, hat es schon immer gegeben, auch hat man immer wieder neue eingeführt. Dass man aber ein grammatisches Element (die generische Form, ich vermeide mittlerweile, sie "generisches Maskulinum" zu nennen) der Sprache ächten will, ist neu - und schlechterdings grotesk. Diesmal ist also der Urlauber dran.

Um nun also den Urlauber aus dem Sprachschatz zu beseitigen, braucht es eine so behauptete "genderneutrale Form", und da ist das Partizip Präsens gerade in Mode. Da wird dann gerne mal ein Student zu einem Studierenden und ein Radfahrer zu einem Radfahrenden.

Dumm nur, dass es *urlauben nicht gibt. (Der Stern bedeutet übrigens: synthetische oder erschlossene Form, hat also mit dem Genderunsinn nichts zu tun.) Gut, Sprache ist geduldig, da kann man so etwas auch mal erfinden.

Urlaub ist ein Substantiv, es hat die Jahrhunderte aus dem Althochdeutschen überdauert, als "erlauben" noch "irlouben" hieß, als dem Knecht erlaubt wurde, von der Arbeit fernzubleiben. Der Urlaub ist das Ergebnis, wenn erlaubt wurde, so wie das Urteil erteilt wird und der Ursprung erspringt (gut, das sagt man nicht mehr so häufig, da ist entspringen bekannter).

Urlauben als Tätigkeit desjenigen, der den Urlaub genießt, ist also semantisch schon komplett falsch besetzt, es wäre eigentlich das, was dem Arbeitgeber zustünde, nur heißt das Wort dort erlauben. Urlauber kann gerade noch als "der mit dem Urlaub" gedeutet werden, ist aber ebenso wackelig verankert.

Im Feldzug gegen die generische Form ist aber offenbar alles recht.

Wer hofft, dass ich mich - wie vermeintlich alle anderen mit einem Rest an Sprachgefühl und einem Sinn für Ästhetik - schon irgendwann mal daran gewöhnen werde, sei gewarnt, dass ich die letzten drei Jahrzehnte ohne ein einziges selbstgeschriebenes Binnen-I überlebt habe. Und die schwindenden Sprachkompetenzen einiger Mitmenschen hat mich auch nicht an deren Niveau gewöhnen lassen.

Im Gegenteil.