Neulich gab es eine Aktualisierung im Firefox, und anscheinend war die Lokalisierung (Eindeutschung) nicht ganz vollständig. Er fragte mich nach meinem "Primary Password", was mich erst einmal überraschte, denn so ein Begriff war mir neu. Natürlich kommt man schnell darauf, dass es das vormals "Master-Passwort" genannte Geheimnis ist.

Mozilla hat diese Sprachänderung im Englischen (im Deutschen heißt es jetzt "Hauptpasswort") aufgrund der aktuellen "Erkenntnisse" bezüglich "diskriminierender Sprache" vollzogen, wie sie auf der Webseite angeben. Die Verwendung der Wörter "Master" und "Slave" würden die Grausamkeiten der Sklavenhaltung fortschreiben.

Mich zwickt es hier schon beim Schreiben. So einen hanebüchenen Unsinn liest man nicht alle Tage, und ich wünschte mir, ich könnte das einfach ignorieren, aber ich kann es nicht. Wenn ich wüsste, wo, würde ich zum Kampf gegen diesen fortschreitenden Irrsinn aufrufen.

Natürlich war und ist Sklaverei ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Aber die Verwendung dieser Wörter in einem völlig anderen Kontext - hier im technischen - impliziert doch auch eine andere Wahrnehmung. Wenn ich von römischen Sklaven lese, denen es nicht durchweg so schlecht ging, wenn man der Geschichtsschreibung glauben darf, was macht das dann mit meiner Wahrnehmung der Sklaverei, der Schwarze ausgesetzt waren (oder andere dunkelhäutige Menschen)?

Wenn ich von einem Master-Slave-Prinzip bei elektronischen Schaltungen spreche, verharmlose ich deswegen die Sklaverei? Ich empfinde das persönlich als einen Affront. Man unterstellt mir damit die Unfähigkeit, in Kontexten zu denken, und das muss man sich nicht bieten lassen.

Die Wokeness-Kultur ist darauf aus, auf möglichst sichtbare Weise ihre "Aufgeklärtheit" zum Besten zu geben, und das kann nicht auf Basis langwieriger bedeutungsbezogener Diskussion (Semantik), sondern anscheinend nur noch auf formaler Basis - anhand des verwendeten Worts - geleistet werden. Vermutlich ist das auch ein Zeichen unserer Zeit, dass wir nur noch in Symbolen diskutieren (und damit meine ich nicht die albernen Emojis).

Ich halte diese Sprachregelungen für einen Verfall unserer Diskussionskultur auf breiter Front, gegen die man ankämpfen muss.

Und was das "Master-Passwort" angeht: Es gab nie das Pendant des "Slave-Passworts"; es wurde nur der Begriff "Master" in diesem Zusammenhang verwendet. Es scheint also so, dass sich die - man erlaube mir die Polemik - Wokerista* nun auch auf Teilbegriffe einschießt, da man anderweitig wohl nicht mehr zu beeindrucken weiß. Möchte man nun konsequenterweise auch alle anderen Inzidenzen wie "ATP Masters", das Verb "to master" und den Studienabschluss "Master" umbenennen?

Manchmal hoffe ich nur noch, dass der Wecker klingelt und ich das alles nur geträumt habe.

*Wokerista ist ein Kunstbegriff, der sich das "-ista" aus "Sandinista" (Sozialistische Partei in Nicaragua) geborgt hat, um eine verbissene, sich als Revolutionäre gerierende Gruppe zu bezeichnen, hier auf dem Gebiet der "Wokeness".